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Ein Dorf erinnert sich:
Die Hundsbacher „Quetschekuche“-Kerb

    Die Wurzeln einer jeden Kerb reichen oft bis weit ins Mittelalter zurück und stehen in engem Zusammenhang mit der einstigen Einweihung der Kirche, die aus einem schnöden Gemäuer einen heiligen Ort gemacht hat. Denn im Ursprung geht das Wort Kerb bzw. Kirmes auf das mittelhochdeutsche Wort „kirmesse“ zurück, das wiederum auf „kirchmesse“ zurückzuführen ist. In Erinnerung an dieses ganz besondere Ereignis und dem damit verbundenen volkstümlichen Feiern, entstand das Brauchtum der jährlichen Kerb. Dies war noch bis weit in die fünfziger Jahre nicht nur mit Tanz, Umzug, Vergnügungen sowie Ess- und Trinkgelegenheiten verbunden, sondern auch mit Handeln und Verkaufsangeboten von all den Utensilien, die es vor Ort üblicherweise nicht gab. Deshalb kamen an diesem Termin Menschen von nah und fern zusammen, um neben Vergnügungen auch ihre Geschäfte zu tätigen.

    Auf dem Land wurde die Kerb auch zum Anlass genommen, um sich mit der ganzen Familie zu treffen. Dazu zählte nicht nur die nähere, sondern auch die weitere Verwandtschaft. Volles Haus und aufwendige Mahlzeiten waren gang und gäbe. Die Kerb ist nicht nur in unserer Region mit den verschiedensten Bräuchen verbunden und wird oft von Ort zu Ort sehr unterschiedlich gefeiert. Wenn man ältere Hundsbacher Bürger nach ihren Erinnerungen an die Kerb zu früheren Zeiten befragt, dann geraten sie regelrecht ins Schwärmen: „Do war noch ebbes los! Schun zwo Wuche devor is die Kerb ongetrunk wor – und das in alle zwo Wertschafte: Maurer un Mann!“ Denn selbst ein Dörfchen wie Hundsbach erfreute sich bis in die sechziger Jahre zweier Wirtschaften, was sicher auch Rückschlüsse auf die muntere Geselligkeit der Bewohner zulässt.

    Samstags wurde der Kerwebaum aufgestellt und am Abend war Tanz. Dabei wurden die Tanzenden argwöhnisch von den älteren Mitbürgerinnen beobachtet, die im Kreis um die Tanzfläche saßen. Schließlich musste alles ordentlich zugehen, damit es keinen Anlass zu Tratsch und Klatsch gab. Galt doch auch in Hundsbach der alte Spruch. „Wer an der Kerb niemand abkriegt, der kriegt das ganze Jahr keinen!“ Deshalb war es klar, dass sich besonders die jungen Leute mächtig in Schale warfen und schon Wochen vorher dem Kerwespektakel entgegen fieberten. Doch auch die älteren Einwohner und die Kinder kamen auf ihre Kosten. Denn die lange Hundsbacher Hauptstraße war gesäumt mit Buden aller Art und für die Kleinen gab es Reitschulen und Schiffschaukeln. Am Sonntag wurde das muntere Treiben fortgesetzt. Nach ausgiebigem Frühschoppen in beiden Gasthäusern und umfangreicher Mahlzeit zuhause ging es dann weiter mit dem lange vorbereiteten Kerweumzug. Vorneweg der obligatorische Hundsbacher Quetschekuchen, nach dem die Kerb benannt ist - denn im September ist ja bekanntlich Zwetschgenzeit. Dieser Traditionskuchen wurde auf einer großen Schaufel präsentiert, dann kam die Musikkapelle und im Gefolge die Kerweburschen auf der Kutsche, mutige Reiter auf ihren Pferden und lustige Mottogruppen. Nach dem Umzug wurde die „Kerwered“ gehalten, vorher zensiert von dem Ortsbürgermeister, damit sich niemand aus der Dorfgemeinschaft beleidigt fühlte. Bei beschwingter Musik und flottem Tanzen ging der Kerwesonntag zu Ende. Doch damit nicht genug! Auch am Montag wurde noch intensiv gefeiert, angefangen mit Frühschoppen und Ausklang bei Musik und Tanz. Danach wurde eine Flasche Wein an einem geheimen Ort vergraben und die Kerb beerdigt. Wer übrigens die Flasche im Laufe des Jahres gefunden hat, der konnte sich bei der nächsten Kerb einer feuchtfröhlichen Zuwendung seitens der Gasthäuser erfreuen. So war es früher! Doch auch in der heutigen Zeit wird in Hundsbach gerne gefeiert, auch wenn sich vieles verändert hat. Aus diesem Grunde und weil es auch wertvoll ist, alte Traditionen zu pflegen, wird das Brauchtum der Hundsbacher Quetschekuche-Kerb weiter bestehen. Unter dem Motto „Wem is die Quetsch? Uuus!“ wird am dritten Wochenende im September im Hundsbacher Sportheim wieder gefeiert, getanzt, geschunkelt und gelacht und zwar nach altem Brauch von Samstag bis Montag.